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Das Zwischen meiner Gedanken – Ways of knowing (the) human

von | Apr 1, 2020 | 0 Kommentare

Das Zwischen meiner Gedanken

Bodies which define the experimental conditions serve as both the endpoint and the starting point for objective accounts of our intra-actions. In other words, objectivity is (…) always a view from somewhere – objective knowledge is situated knowledge 

Karen Barad (1996) [1]

 

Einen Forschungsgegenstand zu beschreiben, heißt ihn auch zu schreiben. Wörter tropfen wie Regen auf Tastaturen, ziehen Blätter aus den Fingern und erzeugen eine Kontakterfahrung materiell-semiotischer Natur. Zögerlich oder hastig – Bedeutung im Werden, auf gut bewachten Gleisen.

Stift und Bedeutung liefern sich ein Wettrennen und setzen ihr Skalpell zu einem präzisen Schnitt durch die Verunsicherung an, dessen Präzision gewiss zu hinterfragen, dessen materielle Qualität jedoch nicht von der Hand zu weisen ist.

Dem forschenden Blick obliegt es, dieser Wechselwirkung zur Transparenz zu verhelfen und seine Textur stets elastisch und formbar zu denken.

Ways of knowing (the) human

Technology mediates our behavior and our perception, and thereby actively shapes subjectivity and objectivity: the ways in which we are present in our world and the world is present to us.

Peter-Paul Verbeek (2005) [2]

Man stelle sich einen Tisch vor, dessen Oberfläche über einen Projektor mit digitalem Informationsgehalt angereichert wird.

Im Zusammenfall von digitalem Bild und analoger Oberfläche verkompliziert sich die Realität, doppelt sich, schlägt einen Abgrund auf, in den und aus dem es gleichzeitig hinein- und herauszufallen gilt. Augmentierte Realität(en), die sich, wie Gertraud Koch vorschlägt, am besten im Plural zu denken eignen, organisieren Wahrnehmungen neu. [3] Doch wo fängt neu an, wo hört neu auf? Objekt und Subjekt gerinnen in zirkulierender Variation. Der „intelligente“ Tisch macht es sich einfach und materialisiert diese Grenzziehung durch das millimetergenaue Kalibrieren seiner eigenen Ränder.

Ein Mann tritt zur Tür herein und setzt sich zu mir an den Tisch. Der Tisch kennt ihn. Eine Tiefenkamera weiß seine Position, eine Infrarotkamera seine Wärmesignatur – visualisierbar, simulierbar, kalkulierbar?

Mit meinen Augen verfolge ich das Kabel, das den Projektor mit den Eingeweiden eines Computers verbindet und ich frage mich, was der Tisch über mich weiß – wie viel und wie genau und wie lange schon? Ich sehe meine Hände an, und stelle mir vor, wie mein Gesicht auf der Tischplatte erscheint und mich anblickt.

Als ich wieder zu dem Mann am anderen Ende des Tisches hinüberblicke, ist er eingeschlafen. Die Unterarme fest verankert mit der Oberfläche. Den Kopf zwischen die Arme gelegt schenkt er dem Tisch seine Unsichtbarkeit.

Literatur

[1] Barad, Karen (1996). Meeting the Universe Halfway: Realism and Social Constructivism without Contradiction. In: Nelson, L.H., Nelson, J. (Hrsg). Feminism, Science, and the Philosophy of Science. Dordrecht: Springer, S. 161-194, hier S. 180.

[2] Koch, Gertraud (2017). Augmented Realities. In: Koch, G. (Hrsg.). Digitalisierung. Theorien und Konzepte für die empirische Kulturforschung. Köln: Herbert von Halem Verlag, S. 309-334.

[3] Verbeek, Peter-Paul (2005). What Things Do: Philosophical Reflections on Technology, Agency and Design. Pennsylvania: Pennsylvania State Univ. Press, hier S. 203.

Bildnachweise

Bild auf Tischplatte: Kollwitz, Käthe (1904). An einem Tisch sitzender Mann, Arme und Kopf aufgelegt schlafend.

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