Arbeitstagung 2015 (Digitale Praxen)

 4. internationale Arbeitstagung der dgv-Kommission “Digitalisierung im Alltag”
der deutschen Gesellschaft für Volkskunde

Datum: 19.-21. Februar 2015

Ort: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie
Goethe-Universität Frankfurt am Main

 


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Die Tagung ist beendet. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für eine interessante und gelungene Tagung! Für alle Interessierten gibt es unter dem Link Videos und Fotos einige Impressionen der Tagung.

Zum Inhalt:

Mit Digitalisierung stehen nicht mehr vorrangig Fragen der Transformation analoger in digitale Prozesse auf der Agenda. Vielmehr bringen entwickelte digitale Prozesse neue komplexe digitale Zustände hervor. Digitalisierung ist zu einem dominanten Abstraktions-, Gestaltungs- und Organisationsmodus der Menschheit geworden. Kultur- und Sozialwissenschaften sind aufgefordert, ihre funktionalen, operativen und normativen Beobachtungsweisen grundlegend zu überdenken.

Der Arbeits- und Theorieansatz der Tagung greift dies auf, indem die relevanten Forschungen zu informationstechnischen Infrastrukturen, Human-Computer-Interaktion, Netzwerke und Praktiken in neuer Weise zueinander gestellt werden. Das Konzept „Digitale Praxen“ lässt es offen, wo und wie gestaltet die Grenzen zwischen Mensch, Medien, Maschinen sind. Es rückt die Fragen des informationstechnisch integrierten und hervorgebrachten Handelns, der selektiven Anpassung weltweit agierender Menschen, der kollaborativen Entwürfe und der programmierten Online-Zusammenhänge in das Zentrum.

Vier Themenfelder zeichnen sich durch ihre Aktualität und Relevanz besonders aus:
Digitale (Ver-)Fassungen: Digitalisierung ist zu Material und Modus der Selbstorganisation menschlicher Lebensverhältnisse geworden. Mit jedem der hunderte Milliarden täglicher Clicks, die in weltweit 10 Milliarden verfügbaren Geräte-Interfaces, von annähernd 3,2 Milliarden Menschen erzeugt werden, werden digitale Mitwelten bestätigt und datentechnische Infrastrukturen bekräftigt. Die kollaborativen Reichweiten digitaler Dinge, ihre Wechselwirkungen und ihre Einflüsse auf soziale, ökonomische, wissensgebundene Selbstorganisation sowie das Selbstverständnis der Menschen, erfordern neue empiriefähige und theoretisch fundierte Konzepte.
Digitale Kon-Figuration: Die digitalen Modellierungen, Beobachtungen und Konstruktionen des menschlichen Körpers erzeugen immer größere Mengen datentechnischer Referenzen. Erzeugte digitale Informationen verändern in Folge andauernd Erkenntnisse, Hypothesen und Modelle des Körpers, das zu einer „Digitalen Praxis“ geworden ist. Körper, Kommunikation und Kultur sind keine von Daten isolierten Außenwelten mehr. Sie sind am Beginn des 21. Jahrhunderts auf diese in umfassenderem Maße angewiesen.
Education/Learning: Immer mehr Menschen agieren in Produktions- und Verwaltungszusammenhängen, in Lern- und Lehrverhältnissen, in logistischen und wissenschaftlich-forschenden Zusammenhängen, in praktischer und kognitiver Abhängigkeit von digitalen Mitwelten. Immer mehr drängen die Fragen in Richtung variabler Konzepte von Tele-Didaktik, ihnen eigener Lehr- und Lernkonzepte.     
Smart Economy: Die Ausweitung gemischtintelligenter, voneinander abhängiger, sogenannter smarter Bereiche verbindet und regelt nicht nur die Energieversorgung von Häusern, den leeren Kühlschrank, das Auto, die akuten Umweltbedingungen von Stadt. Die hier angesprochenen relativ autonomen Entscheidungsfelder stellen ein neues Niveau komplexer IT-Verbindungen dar. Nicht allein, dass IT ubiquitär ist; mit ihr entstehen digitale Praxen, die zu unverzichtbaren, unhintergehbaren, instabilen aber hilfreichen Vernetzungen führen. Gleichzeitig schaffen diese Anforderungen neue Formate von Kreativität, Innovation, entwicklungsbezogenen Denkens und neue Kulturoptionen. In jeder marktfähigen Software sind dabei inzwischen tausende, hundert-tausende Sozial- und Kultur-Fragmente digitalisiert, die als neue Zusammenhänge angeboten und genutzt werden. Wie Menschen auf diese dynamisch sich verändernden Kultur-Gefüge reagieren und wie sie mit diesen agieren, wird Thema dieses Feldes sein.
Wissenschaftliche Zielsetzung der Tagung ist es, anhand der vorgestellten Fallstudien, Theoriefelder und Impulsbeiträge probate Heuristiken vorzuschlagen, durch die die Kulturanthropologie unter den Bedingungen des Digitalen weiterentwickelt werden kann. 

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

DFG

Deutsche Forschungsgemeinschaft

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Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main